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XV. Etappe der „Wege durch die Nordstadt“ Im Barbaraviertel

Es gab den Traum, mit einer Bimmelbahn auf dem Schienennetz der Neusser Eisenbahn durch das Viertel zu fahren, aber das stellte sich als unmöglich heraus, hätte man doch die ganze Strecke frei räumen müssen, etwa von Waggons, die gerade beladen werden sollten. Mit einer noblen Geste verhalfen die „Neuss-Düsseldorfer Häfen“ den Teilnehmern dann doch zu einem unvergesslichen Erlebnis, sie kutschierten ihre Gäste mit dem Bus von der Rheintorstraße bis „Am Hochofen“ und von da zurück zur Bataverstraße. Aber wie es so geht, einem guten Dutzend hatte man schon absagen müssen und dann reichte trotzdem der Bus nicht aus, zwei Pkws mussten hinterherfahren und ein besonders Sportlicher schaffte es sogar mit dem Fahrrad von Station zu Station.
Ziel war also das Barbaraviertel, das mit einem schmalen Streifen entlang der Rheintorstraße und dem Hafenbecken 1 beginnt und sich dann zwischen dem Rheinhafen, und der Gleisführung nach Krefeld, der Bataverstraße und der Stadtgrenze zu Düsseldorf-Heerdt ausbreitet. Es ist eigentlich ein einziges großes Industriegebiet in das sich wie verirrt die Wohngebiete um die Barbarakirche und die Bockholtstraße sowie die verborgene Idylle um der „Römersee“ verlieren. Dieser ganze Bereich ist der statistische Bezirk 22 der Stadt, er gehört geographisch zur Nordstadt, laut Postleitzahl zur Innenstadt. Im Mai 2005 galt ein „Weg durch die Nordstadt“ hierhin vorwiegend dem Wohnviertel um die Kirche.
Schon die Fahrt über den Verschiebebahnhof erlaubte einen ersten Blick auf die Türme der Barbara-Kirche und des ehemaligen Schlachthofs sowie auf den Rheinhafen. Seit 1901 fährt die Rheinische Bahngesellschaft über die Düsseldorfer Straße, damals vom „Oberkasseler Staatsbahnhof“ (heute „Alter Bahnhof“ am Belsenplatz) bis zum Neusser Obertor. Die Düsseldorfer Straße hieß damals „Neuss-Uerdinger Provinzialstraße“ oder am Anfang „An den Seitshöfen“. Die waren keine Firma wie man lesen konnte, sondern zwei Bauernhöfe, die dort zwischen der Straße und dem damaligen Erftkanal lagen. Gegenüber stand eine längst abgerissene Mietskaserne; dort wohnte man „op de Höf“ und gründete den jetzt 50 Jahre zählenden Jäger-Schützenzug „Jonge Höver“.
Auf der Rheintorstraße entlang fahrend konnte man den Stand der Abrissarbeiten auf dem Wehrhahngelände beobachten, das seit 1996 leer steht. Hier soll ein neues Quartier für Wohnungen, Büroflächen und Gewerbeeinheiten gebaut werden, wobei die ehemals roten Backsteingebäude von 1896 und 1924 unter Denkmalschutz gestellt erhalten bleiben sollen. Die Schönheit dieser Industriearchitektur erschließt sich am besten von der Hafenseite. Der Baubeginn ist für 1912 angesetzt, der Komplex passt gut zu dem Bemühen, die Stadt näher an ihren Hafen heranzubringen. Zu der umfangreichen Planung unter dem Motto „Wohnen und Arbeiten am Wasser“ gehört z. B. auch, in Höhe der Collingstraße eine Fußgängerbrücke über das Hafenbecken 1 zu schlagen. Welche Bedeutung der Hafen über das Wirtschaftliche hinaus für die Stadt in Zukunft haben kann, belegt eine Stimme von außen, von einem der leitenden Herren des Kölner Hafens: „Düsseldorf und Köln haben Häfen, Neuss ist eine Hafenstadt“.
Beim ersten Halt vor dem ehemaligen Schlachthof konnte man seinen Turm näher betrachten, der einmal dazu diente, Eisstangen „zu ziehen“. Er ist ein Baudenkmal im Jugendstil und ein Industriedenkmal zugleich und hat im Gedächtnis der Neusser auch eine emotionale Bedeutung, im ersten Weltkrieg beherbergte der Schlachthof eine Not-Küche, die bis zu 5000 Essen täglich ausgab. Der Initiativkreis Nordstadt hat für den Turm als ein Wahrzeichen des Viertels und damit der Nordstadt Denkmalschutz beantragt und es besteht Aussicht, dass dem entsprochen wird. Bis 1966 hieß der Bezirk Schlachthof-Viertel.
Im weiten Feld des ehemaligen Bauernvorlandes der Stadt ist seit 1346 hier eine Leprosen-Station belegt, in der sich die Kranken bis auf streng geregelte Bettelzeiten aufzuhalten hatten. Ihre Kapelle war St. Barbara geweiht, der Patronin der Kranken und Sterbenden, die bis in die Franzosenzeit bestanden hat, während die Leprastation 1712 abgerissen wurde. Auch eine Richtstätte ist auf einer alten Karte zu finden. Später legte man hier den Jüdischen Friedhof an, der umgebettet wurde, als man auch den um die Marien-Kirche auf den Hauptfriedhof verlegte. 1905 errichtete man den Schlachthof. In betont patriotischer Zeit wurden Straßen hier nach Generälen der Freiheitskriege umbenannt: Blücher, Gneisenau und Yorck, zuletzt Scharnhorst. 1932 begann man nach den Plänen des Architekten Hermann Schagen mit dem Bau der Kirche, mit deren Namensgebung an die alte Barbara-Kapelle erinnert wurde. Im Kriegsjahr 1941 erhielt sie noch eine komplette Orgel. Über ihrem Eingang beeindruckt das Graffito der hl. Barbara des 1925 geborenen Düsseldorfer Malers Adolph Laufenberg. Den Altarraum im Innern beherrscht ein großes Fresko der hl. Dreifaltigkeit mit Maria und dem hl. Quirinus, ausgeführt von dem bedeutenden Rheinischen Expressionisten Peter Hecker, der auch in der Marienkirche und im Kölner Dom gearbeitet hat. 1956 wurde der Kirche der Turm angefügt. Pastor Kaiser erreichte die Umbenennung des Viertels, er wollte nicht länger Pfarrer eines Schlachthofes sein.
Weiter fahrend sah man einen neuen Event-Schauplatz, warf einen Blick auf das sehr innovative Theater am Schlachthof mit der Fackelbauhalle und der Tanzsport-Trainingshalle dahinter. Auf die „Fachstelle für Integration und Migration“ des Caritasverbandes Neuss auf der Dyckhofstraße wurde hingewiesen. Auf der Gneisenaustraße sind schöne Häusergiebel zu besichtigen und am Ende der Yorckstraße die drittälteste Grundschule der Nordstadt, die 1936 erbaute Barbara-Schule. Links hinter der Häuserzeile die Firma FS-Karton, die Nachfolgerin der Niederrheinischen Papier- und Pappenfabrik von 1911 ist heute die größte Karton-Produktion Europas mit 350 Mitarbeitern. Rechts die seit 120 Jahren existierende Firma Selz hat eine eigene Brücke von ihren Anlagen diesseits des Rheinhafens zu den Gebäuden auf der anderen Seite. Dann ist der Blick auf die hochfahrbare Brücke der Neusser Eisenbahn und die der Bundesbahn und des Willy-Brandt-Ringes frei. Der Haltepunkt NE-Am Kaiser erinnert an einen hier gelegenen Hof, der zu anderer Zeit auch Bockholthof geheißen hat. Einbiegend in die Heerdterbuschstraße ist man nun erst recht im Industriegebiet, Wohnbebauung gibt es hier nur noch ganz vereinzelt. Der Straßenname geht in „Am Hochofen“ über und hinter der Außenstelle Neuss des Wasser- und Schifffahrtsamtes Köln überquert man die Stadtgrenze.
Hier erst erlaubte ein zweiter Halt einen Blick auf den Rhein und die Hafenmündung. Gegenüber liegt die eindrucksvolle Vegetation des Naturschutzgebietes „Ölgangsinsel“ mit uralten Weiden und einem Reiher, der sich gerade niedergelassen hatte. Darüber kreischten die Krähen. Durchs das samstäglich ruhige Gebiet führte ein kurzer Spaziergang entlang des Hafens zurück zur Stadtgrenze, wo an der Schiffsanmeldestelle ein Schild die einfahrenden Schiffe auf Deutsch, Niederländisch und Französisch in Neuss begrüßt.
Dahinter etwa hat die „Neusser Hütte“ gelegen, auf die sich der Straßenname „Am Hochofen“ bezieht. Hier wurde sogenanntes Raseneisenerz aufbereitet, das zwischen 1856 und 1866 aus dem Grund des Stingesbaches gewaschen wurde.
Hier auch an der heutigen Stadtgrenze ist man schmerzlich an die von Heerdt’s Bürgermeister Nikolaus Knopp handstreichartig herbeigeführte Eingemeindung des Ortes nach Düsseldorf erinnert, die vom Neusser Rat nicht verhindert wurde. Knopp wurde mit der Benennung eines Platzes nach ihm von Düsseldorf geehrt und mit dem Posten eines Beigeordneten belohnt. Dabei war die Gemeinde Heerdt traditionell seit dem 9. Jh. nach Neuss orientiert; die Benediktinerinnen, Vorgängerinnen des Quirinus-Striftes, hatten hier große Besitzungen, die Äbtissin war Waldgräfin von Herrdt, gründete den Ort, benannte die Kirche nach dem Hl. Benedikt. Sogar nach der Säkularisation gehörte Heerdt noch zum Kreis Neuss, die Neusser hatten hier Grundstücke, legten den Übergabe-Bahnhof der Ring- und Hafenbahn hier an. Erst bei der Gebietsreform 1909 gelang es ihnen, Teile mit dem Terrain der Eisenbahn und z. B. dem Gelände der Fa. Selz zurück zu erwerben.
Hier war natürlich auch der Ort, um über den Hafen zu reden. Thomas Düttchen, Leiter der Unternehmens-Kommunikation der „Neuss-Düsseldorfer-Häfen GmbH & Co. KG“ tat das sehr anschaulich und mit großem Engagement. Nachdem der Rhein sich vor langer Zeit, man vermutet im 14. Jh., ein neues Bett gesucht hatte, kann man von einer Geschichte des Hafens eigentlich erst seit dem Ausbau des Erftkanals ab 1835 reden. Fährt man mit der Bundesbahn von Düsseldorf nach Neuss, erinnert das Schild „Abzweig Erftkanal“ daran, dort, wo die Züge schnöde an Neuss vorbei nach Krefeld abbiegen. Um 1900 floss dann wieder viel Geld in seinen Ausbau, es entstand ein beachtliches Industriepotential. Im II. Weltkrieg wurde der Industriehafen stark getroffen, angrenzende Fabriken waren zerstört, Hafenbecken und Kai-Anlagen durch Trümmer und gesunkene Schiffe nicht mehr zu benutzen. Heute gehen vom ehemaligen Erftkanal, dem heutigen Rheinhafen fünf Hafenbecken aus, zuletzt wurde der alte Floßhafen als Hafenbecken 5 umgerüstet. Daran erinnert noch der Name der Floßhafenstraße. Dem erstaunlichen Sachverhalt, dass sich die Neusser und Düsseldorfer Häfen über alte Animositäten hinwegsetzten und sich zusammenschlossen, verdankt sich ein schlagkräftiges Unternehmen, das seit seiner Gründung expandiert und kräftige schwarze Zahlen schreibt. Viel wurde in den größeren Umschlagplatz Wasser, Schiene und Straße investiert, z. B. in Krananlagen und das Fit-Machen für den Container-Verkehr und die Küstenmotorschiffe. Am attraktiver gewordenen Standort ließen sich international operierende Firmen wie Maersk nieder. Die Co-Operation wurde weiter getrieben mit 49% Anteil am Krefelder Hafen. Auch hier zeigte die Sanierung Wirkung: ein Krupp-Unternehmen ließ sich nieder. Und gerade laufen Verhandlungen, sich auch mit den Kölner Häfen zusammen zu tun. Duisburg würde überrundet, ungeahnte Perspektiven. – Aber wie viele Fakten kann man in so kurzer Zeit vermitteln, wie viele verarbeiten? Geschäftsverbindungen, Warenumschlag, Beschäftigte… Dabei ist Herr Düttchen unermüdlich und unerschöpflich. Es entsteht der Wunsch nach einer Führung eigens durch den Hafen.
Der Bus nahm die Gruppe wieder auf und nun ging es entlang des weitläufigen Dachser-Geländes zurück über die Heerdterbuschsraße, vorbei an der Wiesenstraße. Beide Namen deuten darauf hin, dass es hier einmal ein landschaftlich schönes und ausgedehntes Naherholungsgebiet gegeben hat. Der Name der Ringbahnstraße weist darauf hin, dass diese Zeiten endgültig vorbei sind. An der Ecke Wiesenstraße gibt es einen ausgezeichneten Imbissstand, seit 42 Jahren von einer Familie betrieben. Daneben befinden sich die „Catering Art“ und die „Cube Events“, in ihren Häusern Künstlerateliers.
Nächste Station war die Heerdterbuschstraße 1, der Sitz der „Neusser Eisenbahn“ und wieder war Herr Düttchen gefragt. Vor 150 Jahren verkehrte die erste Eisenbahn zwischen Mönchengladbach und Neuss, hauptsächlich für den Personenverkehr. Aber schon 50 Jahre später hatte der Güterverkehr so zugenommen, expandierte der Hafen in einem Maße, dass die
Städtische Ring- und Hafenbahn gegründet werden musste, in die man seit 1900 investierte, heute die „Neusser Eisenbahn“. Auch die Gesellschaft der Neuss-Düsseldorfer-Häfen hat sie als eine eigene Abteilung innerhalb ihres Unternehmens übernommen, weil sie über weitreichendere Verkehrsrechte verfügte, im Gegensatz zur Düsseldorfer Hafenbahn, die nur eine Zulassung für den dortigen Hafen hatte. Und so fährt die Neusser Eisenbahn denn auch weitreichend, auch auf dem Netz der Deutschen Bundesbahn. Nach Erläuterungen zur Arbeitsweise auf dem Übergabe-Bahnhof konnten die Teilnehmer die neu erbaute Wartungshalle fürs Loks und Wagenbestand besichtigen. Erst aus der Nähe erschließen sich die Dimensionen dieser riesigen wartungsintensiven Zugmaschinen.
Weiter ging die Fahrt über Bockholtstraße, Leuschstraße und Gladbacher Straße zur Graf-Landsberg-Straße, dabei durch das Gelände der Firma Schmolz + Bickenbach auf der Gladbacher. Von den beiden Herren 1919 gegründet als Unternehmen für den Vertrieb von Stahlerzeugnissen beschäftigte es 1939 etwa 270 Personen. 2003 wurde die Swiss Steel AG zugekauft, 2004 fanden weitere wesentliche Zukäufe von deutschen Edelstahlwerken in Witten und Siegen statt. Heute vertreibt und verarbeitet das Gesamt-Unternehmen mit ca. 10000 Mitarbeitern Stahlerzeugnisse weltweit, u. a. für die Autoindustrie.
Auf der Graf-Landsberg-Straße war einmal die Firma Lukas-Bols-Erben ansässig. 1575 ließ sich die Familie Bols als Spirituosen-Hersteller in Amsterdam nieder. Sie belieferte die europäischen Fürsten-Häuser von Schweden bis Monaco, ja sogar den König von Nepal und den Kaiser von Äthiopien. Seit 1850 produzierte Bols auch außerhalb der Niederlande, seit 1922 auf deutschem Boden in einer Zweigstelle in Emmerich, die 1944 – wie die ganze Stadt – ausgebombt wurde. Nach dem Krieg versuchte die Fa. einen Neuanfang in Deutschland und zwar 1946 in Düsseldorf-Oberkassel, ab 1948 wegen günstiger Bodenpreise für Fabrik- und Bürogebäude in Neuss an der Graf-Landsberg-Straße. Sie beschäftigte in den besten Zeiten bis zu 300 Mitarbeiter. Anfangs wohnte die aus Emmerich übernommene Belegschaft in Wohnheimen und fuhr zum Wochenende nach Hause zu ihren Familien. Aber die damals sehr sozial eingestellte Firmenleitung erwarb schon bald Grundstücke für eine Werks-Siedlung und begann 1949/50 mit dem Bau der Bols-Siedlung, die wir auf unserer vorigen Etappe der „Wege“ besucht haben. Architekt war der Niederländer Hamdorf. Mit der Brahmsstraße war 1960 der Siedlungsbau im Großen und Ganzen beendet. War es eine falsche Preisgestaltung, die Verwendung sogenannter „naturidentischer Aroma-Stoffe“, eine finanzwirtschaftliche Fehlentscheidung, es ist schwer zu klären, warum die Fa. 1989 Neuss verließ. Fast 200 Beschäftigte mussten sich eine neue Existenz suchen.
Große Bereiche hinter der kleinen Pierburgstraße gehören zu der seit hundert Jahren ebenfalls der Autoindustrie zuliefernden Firma Pierburg, zunächst tätig in der Vergaser-Technik.
Die Fa. liegt gegenüber dem ehemaligen Theresienheim auf der Graf-Landberg-Straße. Bis 1928 war es Bürogebäude, dann übernahmen es von Düsseldorf kommend die „Carmelitinnen vom göttlichen Herzen Jesu“ und errichteten dort ein Kinderheim, eben das Theresienheim, das ihnen 1940 von der NS-Verwaltung entzogen wurde. Nach dem II. Weltkrieg nahmen die Ordensschwestern das zerstörte Gebäude wieder in Besitz und gründeten nach dem Wiederaufbau dort ein Altenheim für bis zu 85 Personen und einen Kindergarten. Die Fa. Pierburg expandierte und übernahm Grundstück und Liegenschaften. Während der Kindergarten auf der Graf-Landsberg-Straße verblieb, zogen Orden und Bewohner 1975 in das neu erbaute Altenheim in Neuss Weckhoven. Im alten Gebäude wurden Gastarbeiter untergebracht und der Werkskindergarten. In den 90er Jahren wurde es von der Fa. aufgegeben und dient jetzt wieder als Bürogebäude.
Wir befinden uns hier im Viertel der Luftfahrt-Pioniere. Ludwig Bockholt stammt vom Bockholthof in Neuss. Er steuerte mit der L59 das größte Luftschiff der Welt. Berühmt ist seine Fahrt nach Deutschostafrika und die Fahrt ohne Zwischenlandung von Bulgarien nach Ägypten. Am 7. 4. 1918 ist er mit der L59 über dem Asiatischen Meer abgestürzt. Die Straße wurde 1931 nach ihm benannt. Hugo Eckener (1868 – 1954) gehört ebenfalls zu den Lufttahrtpionieren. Er trat 1908 in den Luftschiffbau Zeppelin ein, unternahm 1924 die erste Atlantiküberquerung und mit der „Graf Zeppelin“ eine Amerikafahrt, eine Weltfahrt, eine Polarfahrt und führte seit 1936 regelmäßige Fahrten nach Nordamerika mit der „Hindenburg“ durch, bis sie mit der Katastrophe von Lakehurst 1939 ein Ende fand. Die Straße wurde 1956 nach ihm benannt. Wilhelm Leusch widmete sich dem Segelflug. Nach dem ersten Weltkrieg war er Mitbegründer des Segelflugsports auf der Rhön. Bei einem Probeflug mit dem Flugzeug „Weltumsegler“ ist er am 14. 8. 1921 tödlich abgestürzt. Er ist in Neuss begraben. Die Straße wurde 1959 nach ihm benannt. Charles Augustus Lindbergh (1902 – 1974) war ein amerikanischer Flieger und überquerte am 20./21. 8.74. als erster im Alleinflug den Atlant. Ozean von New-York nach Paris in 33,5 Stunden. Die Straße benannt man 1992 nach ihm.
Zurück auf der Bockholtstraße kam man an dem Event-Lokal „102“ vorbei (nämlich Bockholtstr. 102), das die Nachfolge des „Tribehouse“ angetreten hat und „eine neue Heimat für Liebhaber der elektronischen Musik, Hedonisten und Beatverrückte“ sein will, wie es in einer Ankündigung heißt. Ein Blick in die Osterather Straße zeigte die im Bau befindliche Feuerwache Nord der freiwilligen Feuerwehr. Hingewiesen wurde auf die wichtige Umspannanlage an der Straße „Im Gleisdreieck“. Hier lag auch das Gebiet von Zoppenbroich, einst ein kurfürstliches Lehen, seit 1930 ein berüchtigtes Wohnviertel.
Der letzte Halt war am „Römersee“ mit dem Eingang von der Gladbacher Straße aus. – Nach einem Treffen von 28 Sportfreunden wurde am 28. Januar 1928 im Restaurant Vossen in Oberkassel der „Angelsportverein Düsseldorf-Oberkassel 1928 e.V.“ gegründet. Geangelt wurde damals im Rhein, der noch sauber war und alle Fischarten beheimatete. 1935 ging ein lang gehegter Traum in Erfüllung, der Verein konnte „an der Neusser Stadtgrenze“ ein zehn ha großes Grundstück mit sieben ha Wasserfläche (einer Kiesgrube) pachten, welches 1939 unter finanzieller Beteiligung aller Mitglieder erworben werden konnte. An dem nun eigenen Gewässer wurde ein kleines Anglerheim errichtet. In den Jahren 1962/63 wurde das durch den Krieg zerstörte Heim durch ein neues, größeres Vereinsheim mit modernen Einrichtungen und großer Terrasse zur Seeseite ersetzt. Dafür haben damals die Sportfreunde eine Eigenleistung von 10.245 Arbeitsstunden erbracht. Viele und schöne Gärten umgeben heute das Fischwasser. Der Verein nahm mit großem Erfolg an Verbands- bis Welt-Meisterschaften teil, wie die vielen Pokale im Heim bezeugen. Im Januar 2009 wurde eine neue Satzung beschlossen einschließlich der Sitzverlegung von Düsseldorf nach Neuss, der neue Vereinsname lautet nun „Angelsportverein Römersee 1928 e. V“. Er hat z. Z. 74 Mitglieder und vier Anwärter. Der Vorsitzende, Herr Molicki, begrüßte die Gruppe herzlich, bedauerte allerdings, dass es schon zu Dunkeln begann. Schnell trat man also den Weg um das Gewässer an, fühlte sich aber sofort „wie im Urlaub“. Den sagenhaften Riesen-Wels, der im See sein Unwesen treibt, hätte man aber wahrscheinlich auch dann nicht gesehen, wenn man aus der Abend- eine Nacht-Wanderung gemacht hätte.
Der Dank für diese Etappe galt vor allem den „Neuss Düsseldorfer Häfen“ und Herrn Thomas Düttchen, die sie in dieser eindrucksvollen Form zum Abschluß der Veranstaltungsreihe möglich gemacht haben.
Nach dem letzten „Weg durch die Nordstadt“ mag auch ein kurzer Rückblick gestattet sein. Am 24. Sept. 1996 führte ein erstes Mal der damalige Denkmalpfleger Heinrich Treese durch das Kolpingviertel, veranlasst vom Arbeitskreis Kunst und Kultur unter der Leitung von Beate Pricking. Am 26. Juni 2003 unternahmen die Arbeitskreise Brauchtum, Geschichte und Kunst und Kultur eine Fortsetzung mit einer Führung durch die mittlere Furth. Seit dem 22. April 2004 mit einer Führung durch einen Teil der südlichen Furth, trug der Arbeitskreis Geschichte die Vorbereitung für jährlich zwei Etappen der „Wege“, die in den letzten Jahren mit etwa fünfzig Teilnehmern rechnen konnten. Mit der Fahrt durch das Barbaraviertel, mit also insgesamt sechzehn Veranstaltungen, sind wir einmal durch alle nördlichen Stadtteile gezogen. Eine großangelegte Exkursion in das Innere unserer Nordstadt ist damit zu Ende gegangen. Unsere nächste Aufgabe wird es sein, ihre Ergebnisse in einem Buch zu dokumentieren. Die Mitglieder der Arbeitskreises Geschichte im „Initiativkreis Nordstadt“ hoffen für ihre neue Reihe zu Einzelobjekten in der Nordstadt, die im Frühjahr beginnt, auf eine ähnlich starke Resonanz.






